Verfassungsschutz-Präsident Silan Selen warnt vor Islamisierung

DITIB-Sehitlik Moschee In Neukölln. Für Kritiker betreibt der Religionsverein planmäßig eine Islamisierung Deutschlands (Foto: Getty Images / Busà Photography)

Seit Jahren warnt sie davor, dass in Teilen Neuköllns eine islamistische Parallelgesellschaft entsteht, unter der vor allem junge Mädchen leiden. Ihnen werde durch die Regeln der Scharia ein selbstbestimmtes Leben verwehrt. Dabei sind es mitunter sogar die eigenen Mitschüler, die als verlängerter Arm der Prediger in den Moscheen auf die Einhaltung religiöser Normen achten.

Die Integrationsbeauftragte von Neukölln, Güner Balcı, stammt selbst aus einer türkischen Familie und hat die Veränderungen in ihrem Kiez aus nächster Nähe erlebt. Wo früher Jungen und Mädchen gemeinsam auf der Straße unterwegs waren und erste Beziehungen ausprobierten, trauen sich heute viele Mädchen kaum noch vor die Tür. Einige werden sogar zwangsverheiratet.

Balcı warnt davor, dass Islamisten nicht nur in einschlägigen Moscheegemeinden aktiv sind. Sie engagierten sich auch in der Bildungs- und Communityarbeit, seien in den Nachbarschaften präsent und erschlichen sich so das Vertrauen vieler Jugendlicher.

Für diese Kritik wird Balcı seit Jahren angefeindet – nicht nur von Islamisten, sondern auch von Linken, die hinter jeder Kritik am politischen Islam oder an problematischen Entwicklungen in muslimischen Milieus Rassismus wittern. Deshalb schweigen manche ausgerechnet zu Themen, die ihnen sonst besonders am Herzen liegen: die Rechte von Frauen und queeren Menschen.

Mit anderen Worten: Gerade liberale Muslime und junge Frauen, deren Rechte von radikalisierten Männern beschnitten werden, haben kaum eine Lobby – nicht einmal unter jenen, die sich sonst gern für Benachteiligte und Entrechtete einsetzen.

Nun bekommt die Integrationsbeauftragte Schützenhilfe vom Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Silan Selen stammt ebenfalls aus einer türkischen Einwandererfamilie und soll bei einer nicht öffentlichen Veranstaltung des Bundestags davor gewarnt haben, dass islamistische Organisationen über Jahre hinweg Kontakte in Politik, Verwaltung und Gesellschaft aufgebaut haben. In manchen Gegenden sei dadurch die demokratische Grundordnung massiv gefährdet.

Güner Balcı, die immer wieder auch die Diskriminierung von Migranten anprangert, sieht die Ursachen der Radikalisierung nicht allein bei Hasspredigern in Moscheen, die weitgehend unbehelligt demokratische Grundwerte infrage stellten. Sie verweist ebenso auf Radikalisierungsprozesse in den sozialen Medien, die insbesondere junge Menschen anfällig für extremistische Ideologien machten.

Artikel teilen

Mehr zum Thema