Die AfD in Sachsen-Anhalt will die Schulpflicht abschaffen. Ein erstaunlich unpatriotischer Move für eine Partie, die vorgibt, Deutschland zu lieben. Bevor sie also abgeschafft wird, hier eine kleine Geschichtsstunde: Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Bildung vor allem ein Privileg der Reichen. Adlige, wohlhabende Bürger und angehende Geistliche erhielten Unterricht. Die meisten Kinder aus Bauern- und Handwerkerfamilien arbeiteten dagegen früh mit und besuchten keine Schule. Lesen und Schreiben waren keineswegs selbstverständlich.
Ein entscheidender Schritt erfolgte im Königreich Preußen. Bereits 1717 ordnete König Friedrich Wilhelm I. an, dass Kinder regelmäßig eine Schule besuchen sollten. Noch wichtiger wurde das sogenannte Generallandschulreglement von 1763 unter Friedrich dem Großen. Es legte fest, dass Kinder im schulpflichtigen Alter Unterricht erhalten sollten. Damit entstand eines der modernsten Schulsysteme Europas.
Die Schulpflicht hatte eine emanzipatorische Wirkung. Bildung war nicht länger ausschließlich den Eliten vorbehalten. Auch Kinder aus einfachen Familien erhielten Zugang zu Wissen. Zwar blieben die sozialen Unterschiede groß, doch die Schule eröffnete vielen Menschen neue Chancen. Die Schulpflicht war ein Schritt zur Emanzipation breiter Bevölkerungsschichten. Gleichzeitig wollten die Herrschenden einen leistungsfähigen und geordneten Staat schaffen.
Wenn heute Menschen, die sich Patrioten nennen, die Axt an die Schulpflicht legen wollen, sollten sie noch mal darüber nachdenken, ob sie das Erbe Friedrich des Großen wirklich beschädigen wollen.

