Trump ruft bei Infantino an und die FIFA nimmt eine rote Karte gegen den amerikanischen Stürmer Folarin Balogun zurück. Er könne da kein Foul erkennen, meinte der Fußballexperte Trump und überhaupt: wieso solle jemand im nächsten Spiel dafür bestraft werden, was er im laufenden Spiel gemacht habe? Der US-Präsident schafft neue Regeln und die FIFA nickt sie ab. Soweit die Fakten.
Doch was ist der eigentliche Skandal? Bei Trump sollte uns nichts mehr wundern, seine Einmischung passt vollkommen ins Bild seiner sonstigen Umgangsformen. Und auch Infantino, als Inkarnation der Unseriösität, stets eingefüllt in den Geruch der Korruption, erfüllt einmal mehr die Erwartungen.
Der eigentliche Skandal ist es, dass die Grenze dessen, was sich Politiker und Funktionäre erlauben können, einmal mehr erweitert wird, ohne dass es vermutlich Folgen zeitigt. Die Fußballverbände müssten nun geschlossen die FIFA boykottieren, Teams sollten zu FIFA-Turnieren nicht mehr anreisen. Doch nichts davon wird wohl passieren.
Aber könnten nicht auch einzelne Spieler und Trainer etwas unternehmen? Was wäre passiert, wenn der amerikanische Trainer den Stürmer nicht aufgestellt, wenn er sich gar die Einmischung der Politik verbeten hätte? Was wäre passiert, wenn Folarin Balogun die rote Karte und die selbstverständlichen Folgen akzeptiert hätte? Was, wenn er sich geweigert hätte aufzulaufen? Er wäre zum Helden geworden. Nicht für einen kranken amerikanischen Pseudo-Patriotismus, der alle Register zieht, um sich Vorteile zu verschaffen, sondern er wäre ein Held geworden für Fairness im Sport, für Gerechtigkeit und Eigenverantwortung. Angeblich ja zutiefst amerikanische Ideale.
Schön zu sehen, dass der Eingriff des Präsidenten und der Medienrummel immerhin die US-Mannschaft so weit verunsichert haben, dass sie ihr schlechtestes Spiel der WM abgeliefert hat, von Belgien vorgeführt wurde und verdient ausgeschieden ist. Auch dieser Schuss von Trump war damit ein Eigentor.

