Während Rechtsextreme Menschenverachtung gegenüber Minderheiten befeuert, legitimieren Teile einer der Linken Israel- und auch Judenhass mit einem anderen ideologischen Vokabular. Die Begründungen unterscheiden sich, der Effekt ist ähnlich: gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wird salonfähig, die Gesellschaft weiter polarisiert.
Genau deshalb ist der Auftritt des Rappers Dahabflex bei einer Kundgebung in Neukölln so verstörend. Die Berliner Linkspartei zeigt damit, dass zumindest Teile von ihr kaum noch Berührungsängste gegenüber Hetze haben.
Der frühere Kultursenator Klaus Lederer dürfte sich bestätigt fühlen. Er verließ die Partei bereits vor zwei Jahren gemeinsam mit anderen – auch wegen des Umgangs mit antisemitischen Positionen. Die Berliner Parteiführung und Spitzenkandidatin Elif Eralp haben das Problem lange eher kleingeredet als offensiv bekämpft.
Politisch könnte das Folgen haben. Eine rechnerisch mögliche rot-rot-grüne Koalition wird schwer vermittelbar, wenn SPD und Grüne mit einer Partei regieren sollen, die ihr Antisemitismusproblem nicht in den Griff bekommt.
Am Ende könnte ausgerechnet die Linke damit einer CDU-geführten Koalition den Weg ebnen. Pech für Berliner, die sich weniger für Weltrevolution interessieren als für bezahlbare Mieten und eine funktionierende Verkehrspolitik.

