Manche E-Bikes können dem normalen Fahrradfahrer Angst einjagen: Massiv wie ein kleines Motorrad und über 30 km/h schnell pflügen sie sich über die Radwege.
Rechtlich bleibt das klassische Pedelec ein Fahrrad: Der Motor unterstützt nur beim Treten bis 25 km/h, die Nenndauerleistung liegt unter 250 Watt. Doch diese Zahl sagt wenig über den kurzfristigen Schub aus. Bosch nennt für seine aktuelle Performance Line CX bis zu 750 Watt Motorleistung, 120 Newtonmeter Drehmoment und 600 Prozent Unterstützung. Zum Vergleich: Die erste Bosch-Drive-Unit für 25 km/h kam 2011 auf 50 Newtonmeter. Das maximale Drehmoment hat sich in diesem Beispiel also um 140 Prozent erhöht.
Mehr Leistung bedeutet nicht automatisch mehr Unfälle. Aber die Zahlen sind alarmierend: 2025 registrierte die Polizei in Deutschland 95.794 Fahrradunfälle mit Personenschaden. 462 Radfahrende starben – 217 von ihnen auf einem Pedelec. 2015 waren es erst 36 Pedelec-Tote. In zehn Jahren hat sich ihre Zahl damit mehr als versechsfacht.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen: 67,3 Prozent der 2025 tödlich verunglückten Pedelec-Nutzenden waren mindestens 65 Jahre alt. Bei Fahrrädern ohne Motor lag der Anteil bei 56,3 Prozent. Das beweist allerdings nicht, dass Senioren E-Bikes grundsätzlich „nicht im Griff“ haben. Die Statistik zeigt ein erhöhtes Risiko – nicht automatisch dessen Ursache.
Trotzdem darf man fragen: Wie viel Kraft braucht ein Fahrrad noch? 120 Newtonmeter, 750 Watt Spitzenleistung, 600 Prozent Unterstützung – das klingt schon verdächtig nach Motorsport.
Vielleicht brauchen wir weniger Wettrüsten bei den Motoren und mehr Fahrtrainings, sichere Radwege und Aufklärung. Denn Fahrradfahren soll Mobilität bleiben. Kein Motorsport.

