Kennt Sie den Hitler-Stalin-Pakt?

Würde alles tun, um Merz abzusägen: Sarah Wagenknecht (Foto: Sean Gallup/Getty)

Das BSW hat nicht angekündigt, den AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts zu wählen – aber Sahra Wagenknecht stellt für einen möglichen dritten Wahlgang eine Enthaltung in Aussicht. Weil dann die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen reicht, könnte das Siegmund indirekt ins Amt bringen.

Das erinnert an ein altes politisches Muster: Todfeinde können zu Partnern auf Zeit werden, wenn der gemeinsame Gegner wichtiger erscheint als die eigenen Gegensätze.

Das drastischste Beispiel ist der Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939. Nazi-Deutschland und die kommunistische Sowjetunion waren ideologische Erzfeinde. Trotzdem schlossen ihre Außenminister Joachim von Ribbentrop und Wjatscheslaw Molotow einen Nichtangriffspakt. Im geheimen Zusatzprotokoll teilten beide Mächte Polen und weitere Teile Osteuropas in Interessensphären auf. Deutschland überfiel Polen am 1. September, die Sowjetunion marschierte am 17. September von Osten ein.

Das Bündnis beruhte nicht auf Freundschaft, sondern auf Kalkül. Hitler bekam freie Hand für seinen Krieg im Westen, Stalin Zeit und territoriale Gewinne. 1941 war die Zweckgemeinschaft vorbei: Deutschland überfiel die Sowjetunion.

Natürlich ist Magdeburg 2026 nicht Moskau 1939. Eine parlamentarische Enthaltung mit dem Pakt zweier mörderischer Diktaturen gleichzusetzen, wäre historisch absurd. Interessant ist etwas anderes: die politische Mechanik.

Für solche Annäherungen zwischen weit auseinanderliegenden politischen Lagern gibt es den Begriff Querfront. Schon in der Weimarer Republik versuchte die KPD zeitweise, nationalistische Milieus anzusprechen. Eine dauerhafte Allianz mit den Nationalsozialisten entstand daraus nicht. Doch es gab Berührungspunkte, wo sich die Ablehnung der parlamentarischen Republik und ihrer Eliten überschnitt.

Genau darin liegt die aktuelle Parallele. BSW und AfD sind keine politischen Zwillinge. Das BSW ist auch nicht einfach das linke Gegenstück zur AfD. Doch beide können einander nützlich werden, wenn sie denselben Gegner bekämpfen – derzeit die „Brandmauer“ und eine weitere CDU-geführte Regierung. Das BSW wirbt ausdrücklich für wechselnde Mehrheiten unter Einbeziehung der AfD.

Die Lehre von 1939 lautet deshalb nicht, überall einen neuen Hitler-Stalin-Pakt zu sehen. Sie ist nüchterner – und vielleicht beunruhigender: Extreme müssen einander nicht mögen, um einander Macht zu verschaffen.

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