Ist das deutsche Pfandsystem eine Flasche?

Landet gern dort, wo sie nicht hingehört: Pfandflasche im Grünen (Foto: Domenik Schlotfeld)

Neulich beim CSD in Berlin konnte man es wieder sehen. Nach der Veranstaltung lagen überall Scherben herum – oder die Flaschen im Gebüsch.

Acht Cent für eine Bier- oder Limoflasche: Das klingt inzwischen eher nach symbolischer Anerkennung als nach einem echten Anreiz. Tatsächlich wurde das Pfand auf viele Mehrweg-Glasflaschen seit 1966 nicht erhöht. Während fast alles teurer wurde, blieb der Betrag praktisch derselbe.

Der Arbeitskreis Mehrweg spricht bei Mehrwegflaschen von Rückgabequoten von 98 bis 99 Prozent. Eine belastbare öffentliche Statistik speziell für die 8-Cent-Glasflasche ist allerdings kaum zu finden. Der persönliche Eindruck aber trifft sich mit den Berichten von Entsorgern in Hamburg, Köln, Frankfurt und Düsseldorf, dass gerade solche Flaschen häufiger im öffentlichen Raum zurückbleiben.

Selbst ein kleiner nicht zurückgebrachter Anteil fällt dort auf, wo viele Menschen unterwegs sind. Und Glas wird zum besonderen Problem, sobald Flaschen zerbrechen und Scherben auf Gehwegen, Spielplätzen oder Grünflächen liegen.

Bei Einweg-PET und Dosen ist der finanzielle Anreiz deutlich höher: 25 Cent. Für PET wurden 2019 rund 98 Prozent der Flaschen erfasst; 2023 waren es knapp 99 Prozent. 96,1 Prozent der bepfandeten PET-Flaschen kamen 2023 über das Pfandsystem zurück. Schon eine Untersuchung des Umweltbundesamts stellte fest, dass Dosen und PET-Flaschen nach Einführung des Einwegpfands deutlich seltener im normalen Müll auftauchten.

Der Verdacht liegt also nahe: Pfand wirkt – aber seine Höhe zählt. In einer YouGov-Studie im Auftrag von Fritz-Kola nannten Pfandsammler beim Sammeln von Dosen und PET-Flaschen unter anderem das geringe Gewicht und den hohen Pfandwert als Gründe, warum sie an Glasflaschen weniger Interesse haben.

20 oder 25 Cent auch für Glasmehrweg könnten den Anreiz erhöhen. Das deutsche Pfandsystem ist also keine völlige Flasche. Aber ausgerechnet bei Glas hat es einen Sprung.

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