Wer Probleme mit Macho-Muslimen anspricht, ist nicht gleich ein Nazi

Diese Frau redet Klartext: Rassismus gefährdet unser Land, aber auch frauenfeindliche Migranten

Sie wird von allen Seiten kritisiert: Von Linken, von Islamisten, von Rechten sowieso. Möglicherweise zeigt das, wie richtig Güner Balci liegt. Die Integrationsbeauftragte von Neukölln, selbst Kind türkischer Eltern, ist in einem Problemkiez in Berlin-Neukölln aufgewachsen und weiß, wovon sie redet. Im Gegensatz zu vielen, die die politische Lage gern vom Schreibtisch aus analysieren.

Seit Jahren mahnt Güner Balci davor, muslimische Communitys zu verteufeln, aber eben auch davor, die Probleme der Migration kleinzureden. In ihrem erfolgreichen Buch „Heimatland“ schwärmt Balci von ihrer Jugend mit Kids aus allen möglichen Ländern: Griechenland, Türkei, Libanon, Ghana. All diese Begegnungen hätten ihr Leben bereichert und gezeigt, das Menschen aus unterschiedlichen Kulturen gut miteinander auskommen – wenn alle für eine freie Gesellschaft ohne Diskriminierung stünden.

Daran aber seien ihr in den vergangenen Jahren Zweifel gekommen. Auf den Straßen Neuköllns sei etwas ins Rutschen geraten. Angefangen habe es in 80er-Jahren mit dem Zuzug palästinensischer Familien aus dem Libanon, die eine sehr patriarchalische Kultur mitgebracht hätten. Weil sie als Staatenlose nicht hätten arbeiten dürfen und sich der Senat auch sonst nicht um ihre Integration gekümmert hätte, wären viele kriminell geworden. Gleichzeitig hätten sich radikalislamische Verbände breitgemacht, statt einer Moschee, wie in ihrer Jugend, gäbe es in Neuköln nun 30, manche finanziert durch den Radikalstaat Katar. Viele islamische Gemeinden, so Balci, seien offen und liberal, manche aber predigten die Ungleichheit von Frau und Mann und würden gerade junge Männer radikalisieren. 

Balci hat die Erfahrung gemacht, dass sie für solche Beobachtungen schnell als Rassistin beschimpft würde. Dabei argumentiert sie nie gegen die Menschen, sondern für eine Politik, die gerade Menschen mit Migrationshintergrund mitnimmt, statt sie sich selbst zu überlassen. Mit den Rezepten der AfD kann sie daher gar nichts anfangen. Stattdessen plädiert Balci für mehr Geld für Kinderbetreuung und Integration – und für mehr Differenzierung. Wie wohltuend in Zeiten, in denen in den Soziale Medien ein Ton der Daueraufregung herrscht. Lesenswert!

Güner Yasemin Balci: „Heimatland“. Piper-Verlag, 24 Euro

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