Es ist ein schweres Erbe, das Sven Schulze im Januar antrat – als Nachfolger von Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff. Schließlich hatte der einen riesigen Amtsbonus und war mit 59 Prozent Zustimmung der beliebteste Politiker in Sachsen-Anhalt.
An diese Werte reicht Schulze auch vier Monate nach seinem Amtsantritt nicht ran. Ja, noch schlimmer: Viele kennen ihnen nicht einmal. Ende vergangenen Jahres gab knapp die Hälfte der Befragten in Sachsen-Anhalt bei einer Umfrage an, dass Schulze ihnen unbekannt sei. Obwohl er das schon seit Jahren Wirtschaftsminister war.
Seine Bekanntheit dürfte sich mittlerweile gebessert haben, dennoch befürchten in der CDU einige, dass es für einen Amtsbonus bei Schulze nicht mehr reicht. Der 71-jährige Haseloff klebte wohl ein bisschen zu lange am Amt und hinterließ seinem Nachfolger so eine schwere Hypothek. Während die CDU wie einbetoniert bei 26 Prozent Zustimmung liegt, kommt die AfD mittlerweile auf über 40 Prozent. Und das, obwohl es über Monate Zoff im Landesverband der AfD gab, und man sich gegenseitig Straftaten und Vetternwirtschaft vorwarf.
Tatsächlich ist der 35-jährige AfD-Kandidat Ulrich Siegmund wesentlich bekannter als Schulze. Der kommt auf Instagram auf rund 9.000 Follower, Siegmund hat über 380.000. Schulze wird also alles dransetzen müssen, bis zur Wahl im September nicht nur bekannter, sondern vor allem auch beliebter zu werden.
Gründe für Zuspruch gäbe es sogar. Der bodenständige 46-jährige Mann aus Quedlinburg (Landkreis Harz) hatte als Wirtschaftsminister einige Ideen, aber manchmal einfach Pech. Dass sich der Chiphersteller Intel im letzten Moment gegen eine Fabrik in Sachsen-Anhalt entschied, ist nicht Schulzes Schuld gewesen. Immerhin konnte er Daimler Truck dazu bringen, sich in Halberstadt anzusiedeln. Vom Bauantrag bis zur Einweihung dauerte es gerade mal drei Jahre – für Sachsen-Anhalt-Verhältnisse ein vorbildliches Projekt.
Solche Anwerbungen dürften einem AfD-Ministerpräsidenten deutlich schwerer fallen. Auf nichts reagieren große Konzerne derzeit so allergisch wie auf EU-Austritts-Fantasien oder eine zu große Nähe zu Autokraten wie Putin oder dem Zoll-Freund Donald Trump.

