Vielleicht ist Erfurt auch deshalb im Vergleich unter deutschen 40 Großstädten beim Glücksatlas, den die Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) erstellt hat, ganz oben gelandet. Denn der Osten Deutschlands steht wirtschaftlich besser da, als viele Deutsche vermuten. So haben die fünf östlichen Bundesländer bei der EU-Förderung klar die Nase vorn. Von insgesamt 21 Milliarden Euro aus den EU-Strukturfonds flossen zwischen 2014 und 2020 fast zwei Drittel nach Ostdeutschland – obwohl dort nur rund ein Fünftel der Bevölkerung lebt.
Die Wirkung ist enorm: Pro Kopf wurden im Osten Investitionen von durchschnittlich 707 Euro angestoßen, im Westen waren es gerade einmal 153 Euro. Laut ifo-Institut stärkt das vor allem strukturschwache Regionen spürbar. Die Faustregel der Forscher: Ein Euro EU-Förderung bringt langfristig zwei Euro zusätzliches Bruttoinlandsprodukt.
Besonders viel Geld floss in Forschung, Innovation und Wissenstransfer. Allein 39 Prozent der Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gingen in diesen Bereich, unter anderem an Hochschulen wie die TU Dresden, die Uni Magdeburg oder die TU Ilmenau. Insgesamt zielten 66 Prozent der Mittel direkt auf Wachstum und Beschäftigung ab – etwa über Infrastrukturprojekte oder Hilfen für kleinere Firmen.
Die Botschaft ist klar: Die EU-Milliarden sind für den Osten kein Luxus, sondern ein echter Wirtschaftsmotor. Umso lauter ist jetzt die Warnung vor den nächsten Haushaltsverhandlungen in Brüssel. Die Gelder sollten ab 2028 auf keinen Fall gekürzt werden, damit es für die ostdeutschen Länder und Kommunen weiter bergauf geht.


