Deutschland diskutiert gern über Kinder. Genauer gesagt: darüber, warum so wenige geboren werden. Zu wenig Kita, zu teure Wohnungen, schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf – die üblichen Verdächtigen.
Jetzt kommt ein weiterer hinzu: die Stimmung im Land.
Eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt, dass der Kinderwunsch junger Menschen erstmals seit Jahren gesunken ist. Frauen zwischen 18 und 39 wünschen sich im Schnitt noch 1,7 Kinder, Männer 1,6. Die tatsächliche Geburtenrate liegt sogar nur bei 1,32. Dabei halten junge Erwachsene weiterhin rund zwei Kinder für ideal.
Es fehlt also nicht unbedingt an der Lust auf Familie. Es fehlt zunehmend an der Zuversicht.
Auffällig stark gewachsen die Angst, dass die Demokratie in Deutschland Schaden nimmt. Das Dauergepöbel rechtspopulistischer Medien und Parteien zeigt Wirkung. Wer sich große Sorgen um Demokratie oder Klimawandel macht, wünscht sich im Schnitt weniger Kinder. Bei sehr großen Zukunftssorgen sinkt der Kinderwunsch laut den Forschern um etwa zehn Prozent.
Denn wer täglich erzählt bekommt, das Land gehe unter, Migranten seien schuld, die Regierung eine Diktatur, politische Gegner Volksverräter und Kompromisse Verrat, produziert vielleicht nicht nur Klicks und Wahlergebnisse. Er produziert ein Lebensgefühl.
Und wer glaubt, dass die Demokratie zerfällt, Kriege näherkommen und gesellschaftliche Konflikte immer brutaler werden, fragt sich irgendwann: Will ich ein Kind in diese Welt setzen?
Das ist die besonders bittere Pointe des Populismus. Er behauptet, die Zukunft des Landes retten zu wollen – und trägt womöglich dazu bei, dass junge Menschen weniger Vertrauen in genau diese Zukunft haben.
Deutschland braucht deshalb nicht nur mehr Kita-Plätze und bezahlbare Wohnungen. Es braucht etwas, das sich schwerer fördern lässt: Zuversicht.

