Sachsen-Anhalt hat ein Problem, über das kaum jemand spricht: Einsamkeit. Und vielleicht erklärt sie zumindest einen kleinen Teil des politischen Frusts im Land.
In der Altersgruppe von 20 bis 65 Jahren leben deutlich mehr Männer als Frauen: Ende 2025 waren es rund 595.000 Männer gegenüber 560.000 Frauen. Im Jerichower Land kommen auf 140 Männer gerade mal 100 Frauen!
Gleichzeitig ist die Bevölkerung stark gealtert. Viele Dörfer schrumpfen, junge Menschen sind in den vergangenen Jahrzehnten weggezogen, Treffpunkte verschwunden. Zurück bleiben nicht nur leere Häuser, sondern manchmal auch leere Abende.
Ist das politisch? Zumindest gibt es Hinweise. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Einsamkeit, sozialer Isolation und der Zustimmung zu extremen Parteien und Einstellungen. Eine einfache Gleichung – kein Sex, also AfD – wäre trotzdem Unsinn. Wahlentscheidungen haben viele Ursachen: wirtschaftliche Unsicherheit, Misstrauen in Institutionen, Abwanderung oder das Gefühl, nicht gehört zu werden. Aber fehlende soziale Bindung kann Frust verstärken.
Kurz vor der Landtagswahl liegt die AfD in Umfragen bei rund 42 Prozent. Wer darauf nur mit Empörung reagiert, übersieht womöglich einen Teil des Problems: Politik ist auch die Frage, ob Menschen sich zugehörig fühlen.
In Berlin machen sich Heilpraktiker Gedanken, wie man mit mobiler Prostitution zum Nulltarif einsame Männer „heilen“ könnte, flankiert von Psychotherapie.
Eine andere gute Idee: Orte schaffen, an denen Menschen einander begegnen. Vereine, Kultur, Tanz, Cafés, Busverbindungen, Dating-Angebote, Beratung gegen Einsamkeit.
Liebe lässt sich nicht verordnen. Nähe aber kann man politisch leichter machen.
Vielleicht braucht Sachsen-Anhalt also nicht noch mehr Hass gegen den Hass. Sondern mehr Gründe, am Freitagabend nicht allein zu Hause zu sitzen.

