Wer gern harte Musik hört, kann Schmerzen länger aushalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Feldstudie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI-CBS) in Leipzig.
Für die Untersuchung reisten die Forscher zum Heavy-Metal-Festival Wacken. Um herauszufinden, welchen Einfluss wütende, aggressive Musik auf das Schmerzempfinden hat. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass unterdrückter Ärger bei Menschen mit chronischen Schmerzen das Leiden verstärken kann.
An der Studie nahmen 122 Metal-Fans teil. Vor und während des Festivals sollten sie Hand und Unterarm möglichst lange in eiskaltes Wasser halten. Stark alkoholisierte Besucher wurden von der Teilnahme ausgeschlossen.
Das Ergebnis: Wie intensiv oder unangenehm die Probanden den Schmerz empfanden, veränderte sich während des Festivals kaum. Aber: Ihre Schmerztoleranz stieg jedoch deutlich. Die Teilnehmer hielten ihre Arme während Wacken länger im kalten Wasser als zuvor.
Die Forschenden vermuten, dass die Festivalbesucher unangenehme Empfindungen besser akzeptierten und dadurch widerstandsfähiger wurden. Eine mögliche Erklärung: Metal bietet Raum, Gefühle wie Wut und Ärger bewusst auszuleben, statt sie zu unterdrücken.
Die Erkenntnisse könnten auch für die Behandlung chronischer Schmerzen interessant sein. Musik wird dort bislang häufig eingesetzt, um Entspannung und positive Gefühle zu fördern. Doch gerade für Patienten, die wegen ihrer Schmerzen viel Ärger empfinden, könnte auch aggressive Musik hilfreich sein.
Statt ausschließlich auf Entspannungsmusik zu setzen, könnte in manchen Fällen also auch eine Portion Heavy Metal sinnvoll sein.

