Schweden verbannt hochgiftige Chemikalien. Wann schützt Deutschland seine Bürger?

Nicht immer sieht man die Verschmutzung durch Ewigkeitschemikalien so deutlich: Schaum am Ufer eines Flusses (Foto: George Pachantouris)

Schweden will sogenannte PFAS aus Alltagsprodukten verbannen und damit schneller handeln als die Europäische Union. Klimaministerin Romina Pourmokhtari sprach von einem „großen Sieg für die menschliche Gesundheit und die schwedische Umwelt“. PFAS hätten in Kleidung, Kosmetik, Küchenutensilien und anderen Alltagsprodukten nichts zu suchen, wenn funktionierende Alternativen verfügbar seien.

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Die Stoffgruppe umfasst mehr als 10.000 künstlich hergestellte Chemikalien, die sich in der Natur nur extrem langsam abbauen. Deshalb werden sie auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt. Seit den 1940er-Jahren kommen sie unter anderem in beschichteten Pfannen, wasserabweisender Kleidung, Kosmetik und industriellen Verfahren zum Einsatz. Jeder, der sich regendichte Funktionsjacken kauft oder Teflonpfannen, erhöht das Problem.

Outdoorklamotten sind eins der größten Probleme

Das Problem: PFAS bleiben nicht dauerhaft in den Produkten gebunden. Sie gelangen in die Raumluft, in Lebensmittel, ins Trinkwasser und schließlich in den menschlichen Körper. Nachgewiesen wurden sie inzwischen nahezu überall – vom Gipfel des Mount Everest bis im menschlichen Blut. Studien bringen eine langfristige Belastung mit bestimmten Krebsarten, verringerter Fruchtbarkeit und Störungen des Immunsystems in Verbindung. In Deutschland gibt es mittlerweile Gebiete, in denen die Menschen kein Leitungswasser mehr trinken dürfen.

Die EU will voraussichtlich 2027 neue Gesetzesvorschläge vorlegen. Bis europaweite Verbote tatsächlich beschlossen und umgesetzt sind, könnten jedoch weitere Jahre vergehen. Schweden will deshalb mit einem nationalen Verbot vorangehen. Frankreich hat bereits 2026 weitreichende Einschränkungen eingeführt. Dort sind Herstellung, Verkauf und Import bestimmter PFAS-Produkte untersagt, sofern Alternativen existieren. Ausnahmen gelten unter anderem für unverzichtbare Anwendungen.

Und Deutschland? Bislang setzt die Bundesregierung vor allem auf europäische Regeln. Doch je länger Brüssel braucht, desto drängender wird die Frage, ob Berlin nicht ebenfalls früher handeln muss. Denn bei Chemikalien, die über Generationen in Umwelt und Körper bleiben, ist Abwarten keine neutrale Entscheidung.

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