Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau, Thomas Brockmeier, hat recht. Wer in Sachsen-Anhalt ernsthaft über Wohlstand, Wirtschaft und Zukunft reden will, kann um ein Thema nicht herum: Ohne geordnete Zuwanderung ausgebildeter Fachkräfte geht es nicht.
Die AfD benennt zwar Probleme: Deindustrialisierung des Landes, Abwanderung junger Menschen, Überalterung. All das ist real. Aber aus richtigen Problemen werden noch lange keine richtigen Lösungen. Denn wer pauschal nach Aufnahmestopp, Abschiebung und „Remigration“ ruft, der gefährdet am Ende genau das, was das Land am dringendsten braucht: Arbeitskräfte. Auch Sachsen-Anhalt leidet an einem Fachkräftemangel.
Die Zahlen sind brutal eindeutig. 40.000 offene Stellen, 20 Engpassberufe, dramatischer Mangel in Pflege und Gesundheit. Schon heute arbeiten tausende Menschen ohne deutschen Pass in der Pflege in Sachsen-Anhalt. Sie versorgen Kranke, stützen die Sozialkassen und halten ein System am Laufen, das sonst noch schneller ins Wanken geriete. Auch der Nachwuchs kommt längst aus dem Ausland: Mehr als 800 von 5.300 Pflege-Azubis haben keinen deutschen Pass.
Wer diese Menschen vertreiben oder abschrecken will und eine „derartige Nationalisierungsstrategie fahre“, legt tatsächlich – so wie es der IHK-Chef kürzlich drastisch im Deutschlandfunk formulierte – „die Axt an die Wurzel des Wohlstands“. Und nicht nur der Wohlstand steht auf dem Spiel. Auch das Gesundheitswesen. Wenn in den kommenden zehn Jahren 24.000 Pflegekräfte fehlen, dann ist das keine abstrakte Zahl. Dann geht es um Heime, Krankenhäuser und die Versorgung alter und kranker Menschen.
Die Wahrheit ist unbequem, aber klar: Sachsen-Anhalt wird seinen Wohlstand nicht gegen Migration verteidigen können, sondern nur mit einer klugen, geordneten Einwanderung qualifizierter Fachkräfte. Alles andere ist kein Zukunftsprogramm, sondern ein Spiel mit dem Abstieg.

