„Mit so einem Ding fahre ich nicht!“ Als die Spedition Hanitzsch aus Kesselsdorf bei Dresden ihre ersten Elektro-Lkw bestellte, war die Skepsis bei den Fahrern groß. Zu unsicher, zu ungewohnt, kein „richtiges“ Auto – so lauteten die Vorurteile.
Heute sieht das ganz anders aus.
„Gerade die Fahrer, die anfangs dagegen waren, sind inzwischen total überzeugt“, sagt Matthias Edel, der bei dem sächsischen Familienunternehmen für die Zahlen zuständig ist. Viele wollten am liebsten gar nicht mehr zurück in einen Diesel.
Ginge es allein nach den Fahrern, könnte die Spedition laut Edel sofort die Hälfte ihrer Flotte umstellen. Bislang rollen allerdings erst fünf Elektro-Lkw über die Straßen – bei insgesamt 130 Fahrzeugen.
93 Prozent sind zufrieden
Dass Hanitzsch kein Einzelfall ist, zeigt ein Forschungsprojekt des Öko-Instituts. Drei Jahre lang untersuchten Fachleute den Einsatz der ersten batterieelektrischen Lastwagen in Deutschland. Dafür werteten sie Fahrzeugdaten aus und befragten Hunderte Logistikunternehmen.
Das Ergebnis überrascht selbst die Forscher: 93 Prozent der Firmen, die seit mindestens einem Jahr Elektro-Lkw einsetzen, sind zufrieden oder sogar sehr zufrieden.
Und die Stromer machen offenbar weniger Ärger als gedacht. Viele Unternehmen berichten, dass ihre Elektro-Lkw seltener technische Probleme haben als vergleichbare Dieselmodelle.
„Die ersten Serienfahrzeuge hatten ihre Kinderkrankheiten“, sagt Forscher Florian Hacker vom Öko-Institut. Trotzdem seien die Fahrzeuge in der Gesamtbilanz tendenziell zuverlässiger als Diesel-Lkw, die seit Jahrzehnten eingesetzt werden.
Unternehmen mit E-LKW finden leichter Mitarbeiter
Der größte Unterschied zeigt sich allerdings nicht in Tabellen, sondern hinter dem Lenkrad.
Elektro-Lkw sind leiser, vibrieren weniger und beschleunigen gleichmäßiger. Für die Fahrer bedeutet das deutlich weniger Stress.
„Mein Arbeitsplatz hat sich total verändert. Am Abend fühle ich mich nicht mehr wie gerädert“, berichteten Fahrer den Forschern. Erst ohne das ständige Brummen und Rütteln des Dieselmotors werde deutlich, wie belastend der Lärm zuvor gewesen sei.
Einige Speditionen werben deshalb inzwischen gezielt mit ihren Elektrofahrzeugen um neues Personal – offenbar mit Erfolg. Seitdem gingen mehr Bewerbungen ein.
Auch bei Hanitzsch sind die Fahrer laut Matthias Edel begeistert. Die Fahrzeuge seien leise, komfortabel und trotzdem kräftig. Liegen geblieben ist dort bislang kein einziger Elektro-Lkw.
Der hohe Preis bleibt das Problem
Einen großen Haken gibt es allerdings: die Anschaffungskosten.
Ein Elektro-Sattelzug kostet noch immer etwa zweieinhalb- bis dreimal so viel wie ein vergleichbarer Diesel. Im laufenden Betrieb können die Stromer jedoch viel Geld sparen.
Elektro-Lkw verursachen geringere Betriebskosten und sind derzeit von der Lkw-Maut befreit. Diesel-Laster müssen dagegen seit Ende 2023 zusätzlich einen CO₂-Aufschlag zahlen.
Allein durch die Mautbefreiung könne ein Unternehmen gegenüber einem Diesel jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag sparen, rechnet Forscher Hacker vor.
Die Elektro-Lkw sind damit zwar teuer beim Kauf – können sich auf der Straße aber trotzdem rechnen.

