Hier spricht der normale Mensch. Diesmal über Patriotismus bei der WM

Unsere Helden gelungener Integration (Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Die schwarz-rot-goldenen Fahnen am Balkon sind gehisst, das Bier steht kalt. Kann losgehen mit der WM. Trotz allem (– und damit meine ich: Spiele bei Nacht und Infantino –) freue ich mich und drücke unserer Mannschaft die Daumen. Mögen Musiala, Ouédraogo, Rüdiger, Tah, Undav, Sané, Anton, Pavlović, Amiri, Brown, Thiaw, Leweling und ihre Teamkameraden ohne Migrationshintergrund ihr Bestes geben! 

Klar wird es wieder die Nörgler geben, die hinter jedem deutschen Fähnchen einen Nazi vermuten und denen Patriotismus zuwider ist. Für mich ist die Liebe zur Heimat wichtig, ein gesundes Selbstvertrauen, mit seiner Kultur nicht hinter anderen zurückzustehen. Und dass man sich ab und zu die Frage stellt, was denn gerade das Beste für unser Land wäre? (Mal abgesehen vom Gewinn der WM)

Warum das Land privaten Medienmogulen überlassen?

Manche Antworten scheinen doch recht einfach: Glaubt wirklich jemand, dass es den Leuten besser geht, wenn die Steuern für wenige gesenkt werden? Dass wir weniger abhängig von fremden Mächten sind, wenn wir unsere Energie nicht selbst produzieren, sondern Öl und Gas aus den USA, Russland und Libyen beziehen? Dass ein Austritt aus der EU und die Abschaffung des Euro uns wirtschaftliche Vorteile verschaffen?

Offenbar gibt es Leute in unserem Land, die fest davon überzeugt sind. Oder so tun, als wären sie es. Sie behaupten, Patrioten zu sein, aber diese Leute schaden unserer Nation, unserer Heimat. 

Sie haben auch einen seltsamen Freiheitsbegriff, der all das, was sie selbst nicht für gesund und deutsch halten, verurteilt, verdammt, verbietet. Sie fordern, es privaten Medienmogulen zu überlassen, uns mit Informationen zu versorgen und wollen alles dafür tun, damit wir wieder mehr Kinder in die Welt setzen.

Gegen mehr Kinder ist nichts zu sagen, aber glaubt wirklich jemand, dass wir den aktuellen Mangel an Arbeitskräften damit bewältigen, dass wir jetzt Kinder zeugen, die in zwanzig Jahren dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen? Und würden diese Kinder tatsächlich klüger, wenn man die Schulpflicht abschafft und sie zu Hause unterrichtet? Und gäbe es in zwanzig Jahren noch eine Nationalmannschaft, wenn es nicht mal mehr Schulsport gibt, und keiner mehr lernt, in einer Klassengemeinschaft Teamplayer zu sein?

Gibt es ohne Schulsport in 20 Jahren überhaupt noch eine Nationalmannschaft?

Fördert es die Bildung, wenn an deutschen Theatern nur noch unsere großen Dichter der Vergangenheit, Goethe, Schiller und Kleist, gespielt werden? Und sollten wir nicht stolz sein auf bahnbrechende und weltweit gefeierte deutsche Kulturgüter wie das Bauhaus in Dessau, statt sie als undeutsch zu beleidigen? Hilft das, unsere Heimat wert zu schätzen, den Stolz auf unser Land zu fördern und Deutschland in eine gute Zukunft zu führen?

Nein, davon kann man nicht ausgehen. Warum also fordern bestimmte Politiker all das lautstark? Warum fordern sie Maßnahmen, die unserem Land schaden und die Abhängigkeit von anderen Nationen vergrößern? 

Gefragt ist daher hier und jetzt echter Patriotismus. Patriotismus bedeutet, die Unabhängigkeit und Stärke unserer Heimat voranzutreiben, unsere Natur zu schützen und den Wohlstand für alle zu vergrößern. Er bedeutet, persönliche Freiheit, Freiheit der Kunst und der Wissenschaft zu garantieren. Und er verlangt, das Ansehen Deutschlands in der Welt zu mehren. In der Kunst, der Forschung und auf dem Fußballplatz.

Und jetzt: Mögen die Spiele beginnen!

Sebastian C., 61, Berlin

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