Wie Wüst wird´s jetzt für Merz?

Am Spitzenkandidaten Sven Schulze lags laut Befragungen nicht, dass die CDU so abgestürzt ist (Foto: Jens Schlüter/Getty)

Die AfD gewinnt in Sachsen-Anhalt mit rund 44 Prozent, die CDU stürzt auf rund 17 Prozent ab – und verliert sogar sämtliche Direktmandate. Für Friedrich Merz ist das mehr als eine Niederlage in einem ostdeutschen Bundesland. Es ist der vorläufige Tiefpunkt seiner Strategie, die AfD politisch kleinzukriegen.

Tritt Merz jetzt zurück? Vorerst: nein. Die Parteiführung versucht schon am Morgen danach, genau diese Debatte abzuräumen. Unionsfraktionschef Thorsten Frei lehnt eine Merz-Diskussion ab, Kanzleramtsministerin Nina Warken erklärt, die Regierung sei für vier Jahre gewählt. Das klingt allerdings weniger nach Entwarnung als nach dem Versuch, einen Brand einzudämmen.

Denn die Machtfrage ist längst da. Und mit ihr ein Name: Hendrik Wüst. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident wird seit Monaten als möglicher Merz-Nachfolger gehandelt. Kurz vor der Wahl stellte er sich demonstrativ hinter den Kanzler. Was in der Politik bekanntlich nicht verhindert, dass andere längst über die Zeit danach nachdenken.

Das Problem für Wüst: Ein Kanzlerwechsel ist kein einfacher Personaltausch. Merz müsste selbst gehen oder im Bundestag durch ein konstruktives Misstrauensvotum ersetzt werden. Dafür bräuchte ein Nachfolger eine eigene Mehrheit. Und bislang gibt es in der CDU keine offene Revolte.

Aber Sachsen-Anhalt verändert die Lage. Merz hatte einst angekündigt, die AfD zu halbieren. Nun hat die AfD dort ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt, während die CDU sich mehr als halbiert hat. Solche Zahlen entwickeln in Parteien eine eigene Dynamik.

Deshalb dürfte Merz nicht heute stürzen. Gefährlicher sind die kommenden Wochen: schlechte Umfragen, Streit über den Umgang mit der AfD und weitere Wahlniederlagen könnten aus dem Flüstern über Wüst eine echte Machtfrage machen.

Noch sitzt Merz im Kanzleramt. Aber seit Sachsen-Anhalt ist die Frage nicht mehr nur, wie es mit ihm weitergeht. Sondern: Wie Wüst kann es für Merz noch werden?

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