Der irre EM-Sommer: Läuft (und schwimmt) bei Deutschland

Schwarz Rot GOLD! In Birmingham war Owen Ansah der Schnellste über 200 Meter (Photo by Julian Finney/Getty Images)

Deutschlands Sportler erleben einen EM-Sommer, wie es ihn lange nicht gegeben hat. Während die Schwimmer in Paris von Medaille zu Medaille eilen, sorgt das DLV-Team bei der Leichtathletik-EM in Birmingham für einen deutschen Erfolg nach dem anderen. Zwei traditionsreiche Sportarten, die in den vergangenen Jahren immer wieder um den Anschluss an die Weltspitze kämpfen mussten, präsentieren sich plötzlich in beeindruckender Breite.

Das vielleicht größte Ausrufezeichen setzte Johannes Liebmann. Der erst 19 Jahre alte Magdeburger schwamm über 1.500 Meter Freistil in 14:26,79 Minuten Weltrekord – fast vier Sekunden schneller als die bisherige Bestmarke. Als erster Mensch überhaupt blieb er unter 14:30 Minuten. Zuvor hatte Liebmann bereits die 800 Meter gewonnen.

Doch Paris ist längst keine One-Man-Show. Florian Wellbrock triumphierte im Freiwasser über fünf und zehn Kilometer und holte zudem Gold mit der deutschen Mixed-Staffel. Isabel Gose gewann den Knockout-Sprint in der Seine und sammelte anschließend auch im Becken weitere Medaillen. Maya Werner, Oliver Klemet, Angelina Köhler, Sven Schwarz und die Staffeln machten deutlich: Der deutsche Schwimmsport verfügt derzeit nicht nur über einzelne Stars, sondern über bemerkenswerte Breite.

Fast gleichzeitig läuft es auch in Birmingham. Dort erlebte das deutsche Leichtathletik-Team einen regelrechten Medaillenregen. Leo Neugebauer holte Gold im Zehnkampf, Niklas Kaul Silber – der erste deutsche EM-Doppelsieg in dieser Disziplin seit fast 60 Jahren. Gesa Krause wurde zum dritten Mal Europameisterin über 3.000 Meter Hindernis, Olivia Gürth holte Bronze.

Dann zündete Owen Ansah den Turbo: Bronze über 100 Meter und Gold über 200 Meter. Seit 44 Jahren hatte kein Deutscher mehr den europäischen Titel über die halbe Stadionrunde gewonnen. Speerwerfer Julian Weber legte mit 90,60 Metern und EM-Rekord nach, Nick Thumm machte mit Silber den deutschen Doppelerfolg perfekt. Auch die 4×100-Meter-Staffel der Männer sprintete auf Platz zwei.

Schon vor dem letzten EM-Abend hat Deutschland damit in Birmingham wieder die Größenordnung der Heim-EM von München 2022 erreicht. Damals waren 16 Medaillen und sieben Titel die beste deutsche EM-Bilanz seit vielen Jahren.

Paris und Birmingham zeigen deshalb mehr als eine zufällige Häufung guter Ergebnisse. Junge Athleten wie Liebmann, Neugebauer oder Ansah liefern ebenso wie erfahrene Stars wie Wellbrock, Gose, Krause und Weber. Deutschland ist in zwei olympischen Kernsportarten wieder ganz vorne dabei.

Und plötzlich richtet sich der Blick schon weiter: Noch zwei Jahre bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles

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