Sie sind schwul und das ist auch gut so

Besser gelaunt als alle Hater: CSD-Parade in Berlin (Foto: Omer Messinger)

Der Christopher Street Day (CSD) erinnert an den Stonewall-Aufstand von 1969 – eine Revolte von Queers gegen Polizeischikanen und Homophobie. Doch wer heute eine CSD-Parade in einer westlichen Metropole besucht, reibt sich oft verwundert die Augen. Wo einst wütender und beharrlicher politischer Protest für Grundrechte stand, dominiert heute eine durchkommerzialisierte Party-Meile.

Großkonzerne, Banken und Parteien überbieten sich gegenseitig mit gigantischen, dröhnenden Musiktrucks. Unternehmen schmücken sich für wenige Tage mit dem Regenbogen, um ihr Image aufzupolieren und queere Kaufkraft abzugreifen. Ob dieselben Firmen auch in Ländern mit homophoben Gesetzen Haltung zeigen oder intern queere Angestellte fair befördern, bleibt dabei oft im Dunkeln. Verkommt die Kernbotschaft der queeren Community also mehr und mehr zur Kulisse für Partytourismus? Selbst die CDU ist in Berlin mit einem eigenen Truck dabei und lässt sich ihre Präsenz über 300.000 Euro kosten.

Warum der CSD bitter nötig ist

Trotz aller berechtigten Kritik an Kommerz und „Pinkwashing“ wäre es fatal, den Christopher Street Day als unpolitische Party abzutun. In einer Zeit, in der von rechts die konforme Normfamilie propagiert wird und queerfeindliche Hetze im Netz sowie auf den Straßen zunimmt, erfüllt der CSD eine lebenswichtige demokratische Funktion: Er schafft unübersehbar Sichtbarkeit.

Wenn manche Populisten versuchen, gesellschaftliche Vielfalt zurückzudrängen und queere Menschen wieder unsichtbar zu machen, ist die schiere Masse auf den CSDs die stärkste Antwort. Jede Parade ist eine Demonstration der Stärke, die zeigt: Die Community und ihre Unterstützer sind keine kleine Randgruppe, sondern fester Bestandteil in der Mitte der Gesellschaft. Für queere Jugendliche, insbesondere auf dem Land, senden diese Großereignisse zudem das lebensrettende Signal: „Du bist nicht allein.“

Angesichts von Forderungen nach der Rücknahme von Gesetzen wie dem Selbstbestimmungsrecht ist der CSD das lauteste Sprachrohr, um politischen Druck aufzubauen. Dass zahlreiche Unternehmen sofort eingenickt sind und ihre Unterstützung der Community eingestellt haben, als die Trump-Regierung sich gegen Vielfalt positionierte, macht deutlich, wie opportunistisch gehandelt wird. Umso wichtiger, dass der CSD daran erinnert, dass Gleichberechtigung kein unumstößlicher Dauerzustand ist, sondern jeden Tag aufs Neue verteidigt werden muss.

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