In den USA merken die Menschen gerade, wie schön es mit Fremden sein kann. Wie sehr andere Kulturen das Leben bereichern. Dass Menschen aus Afrika oder Lateinamerika gar nicht die Monster sind, zu denen Donald Trump sie macht.
Viel ist über diese WM gesagt worden: dass sie die größte FIFA-Abzocke aller Zeiten wird – was stimmt. Dass ihr sportlicher Wert fraglich ist – was teilweise stimmt. Dass Donald Trump sie benutzen wird, um sich wieder einmal selbst zu feiern – was durchaus passieren könnte.
Aber eines hatte so recht niemand auf dem Schirm: dass die WM zu einem Fest der Völker wird. Inmitten einer Zeit, in der viele Länder immer egoistischer und nationalistischer auftreten und Politiker Erfolg haben, die Menschen aus anderen Ländern nur als Gefahr und nie als Bereicherung sehen.
Dabei geht es nicht nur um die Freude, die Rolltreppen hinunterrudernde Norweger verbreiten, oder um grölende Schotten, die die Bars leer trinken. An einigen Orten kommt es zu tiefer gehenden Begegnungen, die von menschlicher Neugier und Offenheit gegenüber anderen Kulturen erzählen.
In Lawrence im US-Bundesstaat Kansas etwa ist das Team aus Algerien untergekommen. Die „Wüstenfüchse“ wurden von den Menschen dort herzlich empfangen. Die rund 100.000 Einwohner konnten sich davon überzeugen, dass Muslime keineswegs alle mit einem Sprenggürtel herumlaufen, sondern auch einfach nette Menschen sein können.
Die Footballfans aus Lawrence wandelten den berühmten Sprechchor der University of Kansas, „Rock Chalk, Jayhawk“, sogar ab in: „Rock Chalk, Algeria“.
Das ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen: Donald Trump hat es noch nicht geschafft, die USA vollständig in einen Ort des Hasses auf Andersdenkende und Anderslebende zu verwandeln. Die Mehrheit der Bevölkerung hat ihn ohnehin nie gewählt, und so, wie es aussieht, wird dieser Teil der Bevölkerung immer größer.
Die Amerikaner haben keine Lust mehr, mit einem selbstverliebten Clown identifiziert zu werden, der sich mit allen anlegt. Sie wollen mit der Welt befreundet sein, anstatt von ihr verachtet und gemieden zu werden. So wie es immer war.
Danke, WM!
Franz H., 32, aus Wernigerode, derzeit in Lawrence, Kansas
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