„White man came across the sea
He brought us pain and misery
He killed our tribes, he killed our creed
He took our game for his own need“
So heißt es in dem Iron-Maiden-Song „Run to the Hills“, der von der Ermordung der Indigenen in den USA handelt.
Kann man gerade jetzt sehr gut hören, wo es nur noch wenige Tage bis zur großen 250-Jahr-Feier der USA am 4. Juli sind. Als „Mutter aller Demokratien“ bezeichnen sich die Amis gern – aber falscher könnten sie nicht liegen.
Nicht nur, dass vor und nach der Gründung der Nation die amerikanischen Ureinwohner fast ausgerottet wurden, was ja nicht sonderlich demokratisch war. Vor allem gab es in Nordamerika längst demokratische Strukturen – und zwar lange, bevor die europäischen Siedler kamen.
Die amerikanischen Ureinwohner haben das Gebiet der heutigen USA nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen vor 10.000 bis 12.000 Jahren besiedelt. Sie gründeten Gesellschaften und betrieben Ackerbau, als in der sogenannten Alten Welt von den Pyramiden und den Tempeln der Griechen noch nichts zu sehen war.
Vor allem aber formulierten sie im 12. Jahrhundert eine Art Verfassung: Im „Great Law of Peace“ wurde die Teilung der Gewalten festgelegt – also der Grundsatz, dass Macht nicht von Einzelnen, sondern von Vielen ausgehen müsse.
Tatsächlich nahmen sich die Gründerväter der USA daran ein Vorbild. So ließ sich Benjamin Franklin von dem Onondaga-Häuptling Canassatego beraten. Die in der US-Verfassung festgeschriebenen Checks and Balances zwischen Präsident, Parlament und Supreme Court lassen sich von den drei Gewalten des „Great Law of Peace“ ableiten.
Wenn also am 4. Juli die Nachkommen europäischer Siedler die 250-Jahr-Feier ihrer Demokratie begehen, können die Native Americans nur lachen und denken: Was für Anfänger.


