Hier spricht der normale Mensch. Diesmal über glühende Startbahnen

Der große Volksaustausch – es gibt ihn wirklich. Jeden Sommer (Foto: Getty Images / Jingying Zhao

Brechen die Sommerferien an, gibt es kein Halten mehr und ganz Deutschland steigt in die Ferienflieger. Das ökobewegte Grünenmilieu der Metropolen ist ebenso vorne mit dabei, wie die der deutschen Erde eigentlich so verbundenen Rechten, die globale Wanderungsbewegungen das Jahr über immer so argwöhnisch beäugen. 

Die einen können es nicht erwarten, zum Yoga-Retreat nach Bali oder in ein verträumtes Ökohotel zu gelangen, das gern viele tausend Flugmeilen von Berlin, München und Hamburg entfernt sein darf. Denn je weiter entfernt der Sehnsuchtsort, desto größer die „Resonanzerfahrung“, die man sich hier erhoffen darf. Aber auch viele der Nationalgesinnten können es scheinbar kaum erwarten, der Heimat den Rücken zu kehren. Seit sie die verhassten Corona-Leinen wieder los sind, mehr denn je. Denn jetzt gilt es, auch an den beliebten Ferienorten dieser Welt demonstrativ auf Ökologie zu pfeifen. Das mal für zwei Wochen per Jetski und Bananaboat auszuleben, ist für alle eine willkommene Abwechslung. Schließlich braucht auch der SUV zuhause im Carport mal eine Pause.

Einkommensstärkere und ökologisch orientierte Milieus pflegen oft ressourcenintensivere Lebensstile, ein Widerspruch, der sich bei privaten Flugreisen besonders deutlich zeigt.  

Und die heimatverbundene Fraktion? Die könnte sich ja zur Abwechslung mal an die Spitze einer progressiven Bewegung setzen, die dem Land und der Natur wirklich guttun würde: den Trend, im eigenen Land und Nahbereich Urlaub zu machen. Dann wird man aber leider auch nicht mehr den Blick abwenden können von den Verwüstungen, die der Klimawandel in den deutschen Wäldern anrichtet. Die von Trockenheit und Borkenkäfern heimgesuchten Bäume sind wahrlich kein schöner Anblick. 

Kim G., 34, Bielefeld-Sennestadt

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