Mathias Döpfners gestörtes Verhältnis zur Demokratie

BERLIN, GERMANY – DECEMBER 6: Main owner of the Axel Springer media conglomerate Friede Springer and CEO of Axel Springer media group Mathias Doepfner (R) attend the annual charity gala "Ein Herz für Kinder" at Studio Berlin Adlershof on December 6, 2025 in Berlin, Germany. (Photo by Clemens Bilan – Pool / Getty Images)

Was versteht der Chef eines der mächtigsten deutschen Medienkonzerne eigentlich unter demokratischem Journalismus?

2021, kurz vor der Bundestagswahl, schrieb Döpfner an „Bild“-Chef Julian Reichelt: „Please Stärke die FDP.“ Schon Wochen zuvor fragte er: „Kann man noch mehr für die FDP machen?“ Ziel war laut den später veröffentlichten Nachrichten, eine starke FDP könne eine Ampel sprengen und Jamaika ermöglichen. Döpfner bestreitet unzulässige Einflussnahme und betont, am Ende entschieden die Chefredaktionen selbst.

Auch an Reichelt hielt Döpfner bemerkenswert lange fest. Nachdem ein Springer-Verfahren Hinweise auf Machtmissbrauch im Zusammenhang mit Beziehungen zu Mitarbeiterinnen untersucht hatte, durfte Reichelt 2021 zurückkehren. Döpfner hielt eine Trennung damals ausdrücklich für unangemessen. Privat bezeichnete er ihn sogar als „letzten und einzigen Journalisten“, der gegen einen angeblichen „DDR-Obrigkeitsstaat“ aufbegehre. Erst Monate später trennte sich Springer von Reichelt, nachdem neue Recherchen erschienen waren und der Vorstand nach eigenen Angaben festgestellt hatte, dass Reichelt ihn nicht wahrheitsgemäß informiert hatte.

2024 folgte der nächste Tabubruch: Die „Welt am Sonntag“ veröffentlichte einen Gastbeitrag Elon Musks, in dem dieser vor der Bundestagswahl die AfD als politische Hoffnung für Deutschland anpries. Die zuständige Meinungschefin Eva Marie Kogel kündigte daraufhin. Die Zeitung veröffentlichte zwar gleichzeitig einen Gegenkommentar – gab einem der mächtigsten Männer der Welt aber eine prominente Bühne für einen direkten Eingriff in den deutschen Wahlkampf.

2026 verteidigte Döpfner dann Politiker, die politische Texte mithilfe von KI verfassen lassen. Anlass waren unter anderem KI-generierte Texte von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt. Döpfners Pointe: Sein eigener „Welt“-Kommentar dazu war nach Angaben des Verlags komplett von Googles Gemini geschrieben. Kritiker sahen darin weniger Fortschrittsfreude als eine Aushöhlung von Autorenschaft und journalistischer Transparenz.

Und nun Peter Thiel. Springer verlieh dem Trump-Unterstützer am 24. September den Axel Springer Award. Döpfner nannte ihn den „einflussreichsten Deutschen unserer Zeit“. Ausgerechnet Thiel schrieb 2009, er glaube nicht mehr, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar seien. Fairerweise: Im aktuellen Gespräch mit Döpfner erklärte Thiel, er habe damit nie die Abschaffung von Wahlen oder Demokratie gefordert, sondern weniger Politik im gesellschaftlichen Leben gemeint.

Das alles wäre weniger bemerkenswert, hätte Axel Springer nicht gerade Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und unabhängigen Journalismus zu verbindlichen Unternehmenswerten erklärt.

Vielleicht ist Döpfners Problem also nicht, dass er Demokratie abschaffen will. Sondern dass er immer wieder genau jenen Akteuren Macht, Bühne und Prestige verschafft, deren Verhältnis zu demokratischen Regeln mindestens erklärungsbedürftig ist.

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