Gibt es Menschen, die Merz mag?

Im Sauerland schaut man lieber sauer drein: Misanthrop Merz (Foto: Michele Tantussi/Getty)

Friedrich Merz hat es nicht leicht. Er will Deutschland führen – doch überall begegnen ihm Menschen. Und Menschen haben die unangenehme Eigenschaft, nicht immer so zu funktionieren wie eine Excel-Tabelle.

Da wären zunächst Migranten. 2025 diagnostizierte Merz ein „Problem im Stadtbild“. Später präzisierte er: Gemeint seien Migranten ohne dauerhaften Aufenthaltsstatus und Arbeit sowie solche, die sich nicht an die Regeln hielten. Immerhin: Die anderen dürfen im Bild bleiben. Geblieben ist aber der Eindruck, die Menschen sollte nicht zu ausländisch aussehen.

Dann die Arbeitnehmer. Work-Life-Balance? Vier-Tage-Woche? Damit lasse sich unser Wohlstand nicht erhalten, meint Merz. Deutschland müsse mehr arbeiten. Auch mehr Vollzeit hätte der Kanzler gern. Und mit der heutigen „Mentalität“ hätten unsere Eltern den Wohlstand nicht geschaffen. Persönliche Faulheit will Merz allerdings niemandem unterstellt haben. Dennoch hört es sich so an, als würden ihm Frauen in Teilzeit und die Gen-Z auf den Wecker gehen.

Auch Kranke haben es schwer, seine Zuneigung zu gewinnen. Der Krankenstand ist Merz zu hoch. Telefonische Krankschreibung weg, Attest möglichst vom ersten Tag an. Krankheit ist schließlich schon schlimm genug – da muss nicht auch noch Vertrauen hinzukommen. 

Rentner wiederum sind willkommen, besonders wenn sie den Ruhestand nicht überbewerten. Merz wirbt fürs längere Arbeiten und möchte Frühverrentungsanreize beseitigen. Die gesetzliche Rente werde künftig „allenfalls noch die Basisabsicherung“ sein. Ein Lebensabend ist offenbar am schönsten, wenn er noch ein bisschen Vormittag im Büro enthält. 

Und wer arbeiten könnte, aber Grundsicherung bezieht, soll „Eigenverantwortung und Gegenleistung“ zeigen.

Vielleicht liegt das Kommunikationsproblem von Friedrich Merz also gar nicht an der Kommunikation. Vielleicht liegt es am Publikum. Deutschland besteht leider aus Migranten, Teilzeitkräften, jungen Leuten, Kranken, Rentnern und Menschen, die gelegentlich keine Lohnarbeit verrichten, weil sie sich zum z.B. um kranke Angehörige oder Kinder kümmern.

Reporter mag er übrigens auch nicht, man merkt es an der beständigen Patzigkeit, mit der er Fragen beantwortet – zuletzt wurden die Journalisten bei RTL gemaßregelt.

Berater scheint Merz übrigens auch nicht besonders zu mögen. Zumindest erweckt seine Kommunikation den Eindruck, als würde er ihre Ratschläge nur in Teilzeit beschäftigen. 

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