Es heißt wie Deutschland, steckt in Wärmebildgeräten, Satelliten und Hochgeschwindigkeitskommunikation – und ausgerechnet China beherrscht den Markt. Germanium ist einer jener unscheinbaren Rohstoffe, ohne die moderne Verteidigung ziemlich schnell schlechter sehen und kommunizieren würde.
Seinen Namen verdankt das Element tatsächlich Deutschland. 1886 entdeckte der Chemiker Clemens Winkler im sächsischen Freiberg ein bislang unbekanntes Element und taufte es nach dem lateinischen Namen seines Heimatlandes: Germania.
Heute ist Germanium vor allem wegen seiner besonderen optischen Eigenschaften gefragt. Das Halbmetall lässt Infrarotstrahlung hervorragend passieren und wird deshalb für Wärmebildgeräte, Nachtsicht- und Zielsysteme genutzt. Außerdem steckt es in Glasfasern, Spezialhalbleitern, Strahlungsdetektoren und besonders leistungsfähigen Solarzellen für Satelliten.
Das Problem: China dominiert die Versorgung.
Germanium wird kaum in eigenen Minen gewonnen. Meist fällt es als Nebenprodukt bei der Verarbeitung von Zinkerzen oder bestimmten Kohlen an. China verfügt nicht nur über entsprechende Vorkommen, sondern vor allem über die Raffinerien und industriellen Anlagen, mit denen das Material in hoher Reinheit gewonnen werden kann. Rund drei Viertel der weltweiten raffinierten Produktion stammen inzwischen aus China.
Damit hat Peking einen strategischen Hebel. Seit 2023 gelten Exportkontrollen für Germaniumprodukte, 2024 wurden Lieferungen in die USA sogar vollständig untersagt. Die Preise stiegen deutlich.
Für Deutschland und Europa ist das unangenehm: Ein Rohstoff, der für Verteidigung, Raumfahrt und Kommunikation gebraucht wird, hängt ausgerechnet an Lieferketten aus einem geopolitischen Rivalen.
Die Lösung lautet deshalb nicht nur: mehr fördern. Europa müsste Germanium stärker aus Zinkproduktion zurückgewinnen, eigene Raffineriekapazitäten ausbauen, Recycling forcieren und Vorräte anlegen. Hinzu kommen Lieferverträge mit Produzenten außerhalb Chinas und, wo möglich, Ersatzmaterialien.
Denn Verteidigungsfähigkeit beginnt nicht erst bei Panzern und Raketen. Sie beginnt viel früher – bei Rohstoffen, Lieferketten und industrieller Verarbeitung.
Vor 140 Jahren bekam Germanium einen deutschen Namen.
Jetzt wäre es nicht schlecht, wieder etwas mehr davon unter eigener Kontrolle zu haben.

