Kanadier können mit Problembären umgehen

Nicht so schlau wie ein echter Bär: Trump vor Carneys Flinte (Illu: Sebastián Cornus)

Kanada zeigt im Zollstreit mit den USA die Krallen. Nachdem US-Präsident Donald Trump neue Strafzölle gegen den nördlichen Nachbarn angekündigt hat, reagiert Ottawa mit einem eigenen Paket – und das fällt deutlich aus.

Ab dem 8. September sollen auf US-Importe im Wert von 27,6 Milliarden Dollar Gegenzölle von 15, 25 oder sogar 50 Prozent erhoben werden. Besonders hart trifft es unter anderem Stahl, Aluminium, Möbel und Bekleidung. Auf Käse, Haushaltsgeräte und bestimmte Meeresfrüchte werden 25 Prozent fällig, Elektronik und Werkzeuge sollen mit 15 Prozent belegt werden.

Kanadas Finanzminister François-Philippe Champagne machte klar, dass sein Land die Eskalation nicht gesucht habe. Wenn wirtschaftliche Verflechtung jedoch als Druckmittel eingesetzt werde, müsse Kanada reagieren.

Hintergrund ist das Scheitern der Handelsgespräche zwischen beiden Ländern. Trump hatte daraufhin Zölle von 50 Prozent auf kanadische Autos, Lastwagen, Autoteile und Stahl angekündigt. Diese sollen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.

Premierminister Mark Carney wählte noch deutlichere Worte. Er wirft Washington vor, Kanada wirtschaftlich unterwerfen und zentrale Industriezweige des Landes schwächen zu wollen.

Gleichzeitig versucht Ottawa, die Folgen des Konflikts im eigenen Land abzufedern. Ein Hilfspaket von 7,5 Milliarden kanadischen Dollar soll Unternehmen und Beschäftigte unterstützen, die durch die neue Zollspirale unter Druck geraten.

Der Streit zeigt, wie schnell aus enger wirtschaftlicher Partnerschaft ein Machtkampf werden kann. USA und Kanada sind seit Jahrzehnten eng miteinander verflochten, insbesondere in der Auto-, Stahl- und Aluminiumindustrie. Neue Zölle treffen deshalb selten nur die Gegenseite. Sie verteuern Lieferketten, belasten Unternehmen und können am Ende auch die Verbraucher zur Kasse bitten.

Doch wer Kanada in die Enge treiben will, sollte eines bedenken: Mit Problembären kennt man sich dort aus.

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