Wie Gaga ist Didi?
Dieter Hallervorden, 90, hat sich in den vergangenen Jahren zuverlässig dort eingemischt, wo es knirscht. Er wetterte gegen Gendersprache und „Political Correctness“, warf Israel im Gaza-Krieg „Völkermord“ vor und griff die Bundesregierung scharf an. Inzwischen nennt er Verteidigungsminister Boris Pistorius sogar „Kriegsminister“. Das klingt nicht gerade nach dem natürlichen Vorprogramm einer CDU-Wahlkampfveranstaltung.
Und doch steht Hallervorden nun ausgerechnet mit Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Sven Schulze auf der Bühne. Vier gemeinsame Veranstaltungen hat die Landes-CDU unter dem Titel „Kultur braucht Freiheit“ angesetzt. Ist Didi also Gaga geworden?
Eher nicht. Denn Hallervorden macht bei näherem Hinsehen gar keinen Wahlkampf für die CDU, wie man sie aus Berlin kennt. Er grenzt sich ausdrücklich von Bundeskanzler Friedrich Merz ab: Für Merz würde er „keine Reklame machen“. Auf Schulzes Bühne singt er gegen Aufrüstung und attackiert Mitglieder der Bundesregierung. Schulze lässt ihn gewähren und verkauft das als Meinungsfreiheit.
Der gemeinsame Nenner ist ein anderer: die AfD. Hallervorden, selbst in Dessau geboren, sagt offen, er wolle verhindern, dass sie in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit bekommt. Schulze wiederum braucht genau solche Wähler: Menschen, die der Bundes-CDU misstrauen, „woke“ Politik ablehnen, gegen Aufrüstung sind oder Deutschlands Israel-Politik kritisieren – aber deshalb noch lange keine AfD-Regierung wollen.
Das macht Hallervordens Auftritt weniger verrückt als politisch interessant. Er zeigt, wie wenig das klassische Links-Rechts-Schema inzwischen erklärt. Anti-Gender, Israel-Kritik und Pazifismus können heute im selben politischen Kopf wohnen.
Hallervorden ist also nicht plötzlich zum braven CDU-Mann geworden. Im Gegenteil: Die CDU Sachsen-Anhalt leiht ihm ihre Bühne, während er auf ihr gegen die Bundes-CDU austeilt.
Vielleicht ist also nicht Didi Gaga. Vielleicht ist der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt inzwischen so außergewöhnlich, dass selbst „Palim Palim“ dagegen wie eine klare Pointe wirkt.

