Kommen seine Likes aus St. Petersburg? Der Einfluss der Deutschlandhasser auf die AfD

Er wäre wohl der Wunschkandidat der Russen: Ulrich Siegmund (Foto: Sean Gallup/Getty Images)

Russland versucht nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitskreise, die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zu beeinflussen. Davon könnte die AfD profitieren. Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund wirbt derweil für russisches Gas und ein Ende der Sanktionen. Aber wird der TikTok-Star auch direkt aus Russland unterstützt? Die Indizien reichen weit.

Ulrich Siegmund braucht eigentlich keine Hilfe aus Moskau. Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt ist längst selbst eine Social-Media-Macht. Auf TikTok folgen ihm Hunderttausende, Videos des 35-Jährigen erreichen regelmäßig enorme Reichweiten. Während andere Landespolitiker außerhalb ihres Wahlkreises kaum jemand kennt, hat sich Siegmund über Jahre eine digitale Fangemeinde aufgebaut.

Und trotzdem stellt sich wenige Wochen vor der Landtagswahl am 6. September eine unangenehme Frage: Wie viel von dem politischen Rückenwind, den die AfD derzeit erlebt, entsteht tatsächlich in Sachsen-Anhalt – und wie viel wird von außen verstärkt?

Denn inzwischen geht es nicht mehr nur um abstrakte Warnungen vor russischer Einflussnahme.

Deutsche Sicherheitsbehörden sind überzeugt, dass Russland seine Desinformationsaktivitäten vor den anstehenden Landtagswahlen verstärkt hat. Im Zentrum steht eine als „Matrjoschka“ bezeichnete Kampagne. Gefälschte Videos treten im Design etablierter Medien wie ARD oder BBC auf und verbreiten erfundene Vorwürfe gegen deutsche Politiker. Diese Aktivitäten sollen zentral aus Russland gesteuert werden. Auffällig ist, gegen wen sich die Angriffe richten: unter anderem gegen politische Konkurrenten der AfD.

Wer die Gegner einer Partei diskreditiert, hilft dieser Partei indirekt.

Eine Politik, die Moskau gefallen dürfte

Ende Juli machte Siegmund seine Haltung zu Russland noch einmal unmissverständlich deutlich. Bei einer Diskussionsveranstaltung in Magdeburg sprach er sich gegen Sanktionen und für den Bezug günstiger Energie aus – ausdrücklich auch aus Russland. Auf die Frage, ob er russisches Gas meine, antwortete er: „Ja, selbstverständlich.“

Für Moskau wäre eine solche politische Kursänderung ausgesprochen willkommen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland weitgehend eingefroren. Ein Ende der Sanktionen und eine Rückkehr zu russischen Energielieferungen gehören zu den zentralen Interessen des Kremls.

Siegmund steht mit seiner Position außerdem nicht allein.

Die Russlandnähe innerhalb der AfD Sachsen-Anhalt ist seit Jahren sichtbar. 2022 wollten die AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider und Daniel Wald gemeinsam mit einem Parteifreund aus Nordrhein-Westfalen über Russland in den russisch besetzten Donbass reisen. Der Landtag von Sachsen-Anhalt missbilligte die Reise später mit großer Mehrheit. Die AfD-Fraktion verteidigte sie.

Im Oktober 2025 gingen drei AfD-Abgeordnete aus Sachsen-Anhalt noch einen Schritt weiter: Hans-Thomas Tillschneider, Florian Schröder und Frank Otto Lizureck nahmen an einer Veranstaltung zum Geburtstag Wladimir Putins in der russischen Botschaft in Berlin teil.

Unterstützung funktioniert auch ohne Überweisung

Man muss einen Kandidaten nicht mal finanzieren, um ihm zu helfen. Es reicht, seine Gegner unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Man kann Debatten verschärfen, Falschmeldungen verbreiten, bestimmte Narrative millionenfach wiederholen oder scheinbar unabhängige Accounts einsetzen. Wenn dadurch diejenigen politischen Kräfte stärker werden, deren außenpolitische Vorstellungen mit russischen Interessen übereinstimmen, ist das Ziel bereits erreicht.

Genau deshalb ist der aktuelle Vorgang in Sachsen-Anhalt bemerkenswert. Reuters zufolge zielen russische Desinformationsaktivitäten derzeit darauf, das politische Klima zu polarisieren und unter anderem CDU, SPD, Grüne und FDP zu diskreditieren.

Also: Kommen Siegmunds Likes aus St. Petersburg?

Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür, dass Russland Siegmunds Accounts betreibt, seine Follower kauft oder seine Videos gezielt mit Bots hochdrückt. Seine große Social-Media-Präsenz allein ist erst recht kein Beweis für Manipulation.

Aber die andere Hälfte der Geschichte ist ebenso wichtig: Dass Russland versucht, deutsche Wahlen digital zu beeinflussen und dabei politische Gegner der AfD attackiert, ist inzwischen wesentlich besser belegt als noch vor einigen Jahren. 

Vielleicht kommen Siegmunds Likes also tatsächlich überwiegend aus Magdeburg, Halle, Stendal und dem Rest Deutschlands.

Die politische Schützenhilfe für seine Partei kommt inzwischen nachweislich auch aus einer anderen Richtung.

Und zwar aus einem Land, das Deutschland pausenlos attackiert. Wer wirklich patriotisch denkt, dürfte damit Probleme haben.

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