Mitten im Hitzesommer: Zeuthen schafft den Schatten ab

Das Ende der Lindenstraße? Große Alleen sind Brandenburgs Pfund gegen die Hitze. Foto: Harald Biebel

Wer an heißen Tagen durch die Seestraße in Zeuthen fährt oder läuft, spürt sofort, was alte Alleen leisten: Ihre Kronen schließen sich über der Fahrbahn, werfen Schatten und machen die Hitze erträglicher. Doch dieses grüne Dach soll fallen. Für den grundhaften Ausbau der L401 dürfen nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg 244 Alleebäume gefällt werden – viele von ihnen rund 80 Jahre alt.

Die Straße ist sanierungsbedürftig. Das alte Granitpflaster verursacht Lärm, Wurzeln haben Fahrbahn und Gehwege beschädigt. Der Landesbetrieb hält einen Ausbau ohne die Fällungen für nicht machbar. Das Gericht sah den Planfeststellungsbeschluss als rechtmäßig an. Vorgesehen sind rund 250 neue Alleebäume sowie 168 weitere Ersatzpflanzungen.

Rechtmäßig bedeutet jedoch nicht automatisch zukunftsfähig. Angesichts immer häufigerer Hitze- und Trockenperioden sind große, gewachsene Bäume keine Dekoration, sondern kommunale Klimaanlagen. Sie spenden sofort Schatten, verdunsten Wasser, speichern Kohlenstoff, bremsen Regen ab und bieten Vögeln, Insekten und Fledermäusen Lebensraum.

Junge Ersatzbäume sind wichtig – aber sie ersetzen eine alte Allee nicht einfach Stück für Stück. Ihre Kronen sind klein, ihre Kühlleistung gering. Bis sie annähernd denselben Schatten spenden, vergehen Jahrzehnte. Ob alle Neupflanzungen diese Zeit überstehen, ist angesichts trockener Sommer keineswegs sicher. Das Umweltbundesamt betont deshalb, dass vorhandene Grünstrukturen möglichst erhalten bleiben sollten und ältere Bäume mit ihrem großen Kronenvolumen besonders viel zur Klimaanpassung beitragen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob die Seestraße saniert werden muss. Sondern ob wirklich jede vertretbare Alternative ausgeschöpft wurde, um möglichst viele alte Bäume zu retten. Eine moderne Straße darf nicht auf Kosten genau jener Infrastruktur entstehen, die Zeuthen in heißen Sommern dringend braucht.

Noch stehen die Bäume. Der Baustart wird frühestens 2027 erwartet. Damit bleibt Zeit für politischen Druck, Transparenz und eine Planung, die Verkehrssicherheit und Klimaschutz nicht gegeneinander ausspielt.

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